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OSTERURLAUB AUF BORKUM Die Natur erwacht an der frischen Nordseeluft |
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Borkum 08.03.2010/bv Die Flammen schlagen hoch. Mit glühenden Gesichtern stehen die elfjährige Anna und ihr kleiner Bruder Max vor dem großen Feuer am Kaap, unweit des Nordstrandes. Max greift die Hände seines Vaters fester. Anna ist da schon mutiger. Sie erinnert sich an dieses Schauspiel noch vom vorigen Jahr und ihre Augen leuchten. Familie Bergmann aus Köln kommt schon seit Jahren nach Borkum. Jedes Osterfest ist für sie etwas Besonderes. „Der Besuch des Osterfeuers ist für uns immer ein Höhepunkt“, erzählt Mutter Stefanie, deren Gesicht von der wohligen Wärme des nahen Feuers glänzt, „denn für uns beginnt mit dem Besuch auf Borkum immer der Frühling“. | |
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Alles haben sie schon erlebt zu dieser Jahreszeit, winterliche Osterfeste mit Schnee gab es darunter und frühsommerliche mit üppig blühenden Borkumer Gärten voller Tulpen und Narzissen. „Uns ist nie langweilig in diesen Tagen“, ergänzt Thomas Bergmann, der vor Jahren seine Frau und seine Kinder überzeugte, dass die Nordseeinsel Borkum der richtige Ort sei, den langen deutschen Winter zu verabschieden. Und dazu gehört auch die Tradition des Osterfeuers. Seit Jahrzehnten gibt es sie auf Borkum. Waren es früher fast dreißig Feuer, sind davon heute noch drei große geblieben. Frank Pahl, Personalchef der Stadtverwaltung, kennt den Grund: „Heute ist die Bebauung auf der Insel näher an die traditionellen Feuerplätze herangerückt.“ Außerdem sind die Borkumer sehr umweltbewusst, schützen ihre Natur und „dazu gehört unsere gute Luft“, erzählt der Borkumer selbstbewusst und schaut aus dem Fenster des Rathauses hinaus auf seine Insel.
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Doch die drei großen Feuer am Kaap, an der Reedestraße und an der Julianenstraße haben es in sich. Christian Fink, 42 Jahre alter Borkumer, ist groß geworden in der Nähe des Kaaps am Nordstrand. Seit seiner Kindheit hilft er mit seinen Freunden bei der Organisation des Feuers. Dabei ist auch schon sein 16-jähriger Sohn Klaas, zusammen mit fast 30 Borkumern bereiten sie wochenlang dieses Ereignis vor. Schon kurz nach Neujahr beginnen sie die abgeschmückten Weihnachtsbäume, trockenen Holzschnitt und Reisige aus den Gärten zu sammeln. Sie verstauen das Material an sicheren Orten, denn wie schon vor Jahrhunderten blüht zu Ostern auf Borkum eine sportliche Rivalität auf: Jeder möchte das schönste und größte Osterfeuer haben. Und dafür wird das Brennmaterial sorgfältig bewacht. Bis dann am Morgen des Karfreitags die eigentliche Arbeit beginnt. Vier große Baumstämme, die „Stöhnpahlen“ werden fest in den Dünensand eingeschlämmt. Zwischen diesem Gerüst wird dann sorgfältig das Brennmaterial aufgestapelt. Darauf verwenden die Borkumer große Sorgfalt, denn das Feuer soll ganz herunterbrennen. Wenn es zu früh kippt, schadet das dem „guten Ruf“ der Osterfeuerstapler. Wie auch immer das Wetter ist, diese Nacht vor dem Ostersonnabend, dem Husenbusensaterdag, harren die Jungens und Männer an dem Gerüst aus. Denn früher gab es die Tradition auf Borkum, dass „feindliche“ Osterfeuerbauer den Ehrgeiz hatten, die anderen Feuer anzuzünden. „Zwar gibt es diese Gefahr jetzt nicht mehr“, meint Christian Fink, „aber man weiß ja nie…“ Also bleiben sie, und am Morgen des Ostersonnabend wird das riesige Gebilde weitergebaut. Gegen Mittag folgt dann der Höhepunkt. Oben, in zehn Metern Höhe, wird traditionell eine aus Stoffresten selbst gebastelte Figur aufgehängt, der Tom Dooley. Der angebliche Mörder, 1868 in den amerikanischen Südstaaten aufgehängt, weil er die Schuld an einem Mord seiner eifersüchtigen Geliebten auf sich nahm, muss auch auf Borkum jedes Jahr wieder dran glauben.
Und dann am Abend des Ostersonnabends nach Einbruch der Dunkelheit geht es los. Die Besucher strömen in die Dünen zu den drei Borkumer Feuerplätzen. Der hohe Holzstapel am Kaap steht fest und eine kleine Flamme wird auf die vorbereiteten dünnen Reisige gelegt. Die Flamme ergreift das Holz, der Wind pfeift hinein und sorgt für nötigen Nachschub an Sauerstoff. Die Flammen lodern hoch.
Ostern - die Natur erwacht an der frischen Nordseeluft
Die kleine Kölnerin Anna geht zu Hause in die fünfte Klasse. Natürlich hat ihre Deutschlehrerin mit ihr auch Goethes Gedicht vom Osterspaziergang besprochen, dieses wunderschöne: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick……“. Anna mag Deutsch und ihre Lehrerin, aber auf Borkum sieht sie den Osterspaziergang plötzlich mit ganz anderen wirklich belebenden Blicken. „Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge durch die Gärten und Felder zerschlägt…..“ Und Anna und ihre Familie sehen sie wirklich, die Menge. Weniger zwar in Gärten und Feldern, aber um so mehr am Strand, in den Dünen und in der kleinen Stadt. Viele Borkumer und Ostergäste sind auf den Beinen. Kilometerlange Sandstrände, das idyllische Inselwäldchen Greune Stee, die Kurpromenade mit den hellen Fassaden der Seebäderarchitektur und die zahlreichen Wanderwege durch die Dünen laden ein zum Durchatmen. Borkum ist berühmt für den Reichtum an Flora und Fauna. Die Natur der Insel mit über 1.500 Tier- und Pflanzenarten erwacht. Die ersten Dünenstiefmütterchen blühen an den Wegrändern und winzigkleine blaue Vergissmeinnicht lugen aus dem Gras. Die ersten Pflanzen treiben an den Salzwiesen aus und über den Dünen steigen die Feldlerchen mit zwitscherndem und trillerndem Gesang auf. Fasanenhähne mit ihrem auffälligen rot-blau-grünen Kopfschmuck stolzieren durch die Dünen und versuchen, Fasanenweibchen frühlingshaft zu beeindrucken. Ähnliches bezwecken Turmfalken und Kornweihen, wenn sie während der beginnenden Balzzeit Schauflüge mit senkrechten Abstürzen und Salti vorführen. Die Austernfischer mit ihren langen orangefarbenen Schnäbeln sind da schon viel weiter. Zu Ostern sieht man sie bereits in ihren Nestmulden hinter den Deichen den Nachwuchs ausbrüten.
Die Wellen der Nordsee rauschen heran, die Wolken am Himmel lassen die Sonne durch. Alle atmen sie kräftig ein, die reine Luft der einzigen ostfriesischen Hochseeinsel reinigt nicht nur Bronchien und Haut, sondern erfrischt auch die Seele. Es ist schön hier. Einen besonderen Osterspaziergang für die Freunde der Natur bietet der Borkumer Wattführer Peter de Buhr am Karfreitag. Peter kennt seine Insel und weiß, wo die Seehunde und Kegelrobben liegen. Über den Nordstrand führt er seine Gäste in einer zweistündigen Tour zu den streng geschützten Tieren. Mit etwas Glück kann man die Kegelrobben auf den Sandbänken direkt vor dem Nordstrand der Insel beobachten. Die im Winter geborenen Tiere noch ihr weißes und warmes Kinderfell. Viele Jahre waren sie vom Aussterben bedroht, doch durch strengen Schutz können sie sich jetzt wieder vermehren.
Der Osterspaziergang auf der Insel ist ganz traditionell auch ein Familienvergnügen für die Borkumer. Der Inselhistoriker Jan Schneeberg kennt noch die Stellen, wohin man zu Ostern, „an Paaske“, ging. Die Paaskedelle, nahe dem Borkumer Wasserturm an der Geert-Bakker-Straße, hat besonders weichen Moosboden in den Dünen. Dorthin gingen die Borkumer Kinder mit ihren Eltern und versuchten, die hartgekochten Ostereier vorsichtig so weit wie möglich zu werfen. Insbesondere mit den Eiern, die noch vom Eierbikken beim Osterfrühstück übrig geblieben sind. Dabei wurden die harten Eier geschickt aneinandergeschlagen. Es gewinnt, wessen Ei heil dabei bleibt. Deswegen nennen sie auf Borkum den Ostersonntag auch Hikkenbikkensönndag, den Tag des Eierbikkens. „Dabei gibt es schon einige Tricks“, schmunzelt Jan Schneeberg. „Aber wenn man verliert, ist es auch nicht schlimm, dann wird das Ei eben sofort gegessen.“ Und den entsprechenden Spruch auf Platt hat er auch gleich parat: „Dit is mien Ei, und blifft mien Ei; un is mien Pingster- un Paaske-Ei.“ Ob die Eier allerdings bis „Pingster“, also bis Pfingsten unaufgegessen halten, ist doch eher unwahrscheinlich.
Kultur auf der Insel
Susanne Westermann, Tourismusdirektorin auf der Insel, weiß aber auch, dass es für die vielen Gäste auf der Insel mehr geben muss als das Osterfeuer. „Wir haben auch dieses Jahr wieder einige kulturelle Leckerbissen für Ostern ausgedacht“, erzählt sie. Am Gründonnerstag gibt es ein spezielles Kinderprogramm mit dem beliebten Clown Riccolino, der auch den von den Kindern mitgebrachten Eltern viel Spaß bereitet. Und am Abend gastiert im Großen Saal der Kulturinsel die Junge Philharmonie Köln. Von Mozart bis Bernstein präsentiert das Orchester einen österlichen Ohrenschmaus. Wer es lieber maritim hat, der kann bereits am Tag vor Gründonnerstag am 31. März eine musikalische Reise über alle sieben Meere antreten. Der Shantychor „Oldtimer“ besteht seit über dreißig Jahren aus Borkumern, die immer vor ausverkauftem Haus den Gästen vom Festland das Leben auf der Insel und auf See musikalisch schmackhaft machen. Am Abend des Ostersonntag wartet im Großen Saal der Kulturinsel eine musikalische Überraschung auf die Freunde des traditionellen Jazz, von Oldies und Evergreens. 19 Künstler der Gruppen „Just for Fun“ und der „Lighthouse Jazz Company“ werden am 4. April ab 20:00 Uhr ein großes gemeinsames Konzert geben.
Gründonnerstag auf dem Alten Turm
Der Heimatverein, der mit viel Engagement das älteste Borkumer Wahrzeichen, den Alten Turm, hegt und pflegt, bietet am Abend des Gründonnerstag eine besonders schöne Einstimmung auf das Osterfest. Mit „Utkiek, Tee un Prootjes“ haben die Mitstreiter um Gregor Ulsamer eine schöne Tradition wieder aufleben lassen. Ab 18:00 Uhr können die Ostergäste auf Borkum die alten Stufen hinaufsteigen, Tee nach allen Regeln ostfriesisicher Teekunst trinken, sich mit Borkumern unterhalten, „prooten“ wie man hier sagt, oder auch nur den herrlichen Blick hinab auf die hell erleuchtete kleine Stadt werfen. Und von dort aus sind auch schon die Orte sichtbar, an denen die Osterfeuer angezündet werden.
Rot leuchtet der Borkumer Abendhimmel von den Flammen der hell brennenden Osterfeuer. Anna, Max und ihre Eltern stehen noch immer dort. Anna ist weiterhin fasziniert und Max´ anfängliche Angst ist seiner Neugier gewichen. Dass dieser Brauch aus sehr alten Zeiten stammt, interessiert sie jetzt nicht. Aber dass der Schein des Feuers den Winter vertreiben wird, das wissen sie. Die Flammen haben inzwischen Tom Dooley erreicht. Noch kämpft er um aufrechte Haltung, aber er verliert wieder. Wie jedes Jahr ergibt sich die große Stoffpuppe ihrem Schicksal. Stefanie und Thomas freuen sich auf einen schönen Abend mit einem heißen österlichen Eierpunsch in einer der vielen kuschelig warmen Borkumer Gaststätten. Und sie freuen sich, dass sie wieder die richtige Entscheidung getroffen haben, Ostern auf der Nordseeinsel Borkum zu verbringen.
Infokasten
Die Borkumer haben für die Tage der Osterwoche ihre eigenen Namen:
Blouwe Maandag
Blauer Montag
Geele Dingsdag Gelber Dienstag
Witte Middeweek Weißer Mittwoch
Greundünnersdag Gründonnerstag
Stille Freidag Karfreitag
Husenbusensaterdag Ostersonnabend; der Tag, an dem Haus und Scheune
geputzt werden
Hikkenbikkensönndag Ostersonntag; der Tag des Eierbikkens
Eiertrullenmaandag Ostermontag; der Tag an dem die Eier die Dünen
hinabrollen-trullen
Upfretendingsdag Dienstag nach Ostern; Restessen
Quelle: Gregor Ulsamer, Vorsitzender des Heimatvereins Borkum
Infokasten: Wer legt eigentlich fest, auf welches Datum Ostern fällt?
Ostern 2010: 3.- 5 April
325 vor Christi lud der römische Kaiser Konstantin die Kirchenführer zu einem Konzil ein. Die Christen im Römischen Reich feierten jedes Jahr Ostern, aber es gab keine Regelung, wann es genau stattfinden sollte. Das Konzil fand eine Lösung. Der Frühlingsanfang wurde verbindlich auf den 21. März festgelegt und Ostern sollte stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fallen. Daraus ergibt sich, dass Ostern frühestens am 22. März aber nicht später als am 25. April gefeiert wird.
Infokasten:
Borkumer Lammtage: Karfreitag. 02. April 2010
Das Ziel eines ausgefallenen Osterspaziergangs für alle Tierfreunde ist die Schäferei des Borkumer Schäfers Christoph Müller. Am Karfreitag kann man sie ab 14:00 Uhr in der Nähe des Seedeichs besichtigen. Dem Schäfer liegen insbesondere die vom Aussterben bedrohten Rassen am Herzen. Insgesamt ca. 150 Tiere, davon 80 neugeborene Lämmer, können Kinder und Erwachsene besuchen, ansehen und streicheln.
Die
Schäferei - Reedestraße 198 - erreichen Besucher am besten per Fahrrad,
Auto oder Bus (Haltestelle Deichscharte). Mit dem Fahrrad
können Interessierte über Bantjedünen oder Reedestraße zum Seedeich
kommen. Autofahrer fahren die Reedestraße bis zur Abzweigung (Schild
Schäferei). Die Schäferei befindet sich hinter dem Sportangelheim.
Beginn der Besichtigung ist 14:00 Uhr. Eintritt: 2 €, Kinder 1 €
Nähere Informationen:
http://www.schafaufborkum.de/