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EMS-KANAL FÜR KREUZFAHRTSCHIFFE NIMMT KONTUREN AN
Politik und Umweltschützer wollen Machbarkeitsstudie
Von Kai Schöneberg, FTD
Papenburg 08.01.2010/bv - Nach dem Stapellauf des Luxusliners "Aidablu" hat die Werft im niedersächsischen Hinterland mal wieder ein Problem: Wie den Riesen-Pott Richtung Nordsee bugsieren, ohne die Ems weiter zu schädigen? Nun wird der Bau einer Wasserstraße erwogen.

Hoch wie ein Wolkenkratzer und gut 32 Meter breit ist die "Aidablu", Platz für über 2000 Gäste hat der neue Luxusliner mit dem Kussmund, der am Dienstag die Dock-Hallen der Meyer-Werft im Papenburg verließ. Mit dem 71.000-Bruttoregistertonnen-Schiff ist erneut ein Ozeanriese der Rostocker Reederei Aida Cruises vom Stapel gelaufen - mitten im niedersächsischen Hinterland. Am 9. Februar soll die Mode-Designerin Jette Joop das 252 Meter lange Schiff in Hamburg taufen. Doch davor steht noch die 15 Kilometer lange Überfahrt durch die Ems zum Dollart. Für tausende Schaulustige an den Ufern des Flüsschens wird die Aktion Mitte Januar zum Riesen-Event. Naturschützer mahnen: Da die Ems für derartige Schiffsüberführungen regelmäßig gestaut und zudem ständig ausgebaggert werden muss, sterben Fluss und Umgebung langsam - Fischen fehlt Sauerstoff, Vögeln die Nahrung. Offenbar ist zudem der Schlick, der beim Aufstauen dess Flusses über die Ufer tritt, stark mit krebserregendem PCB und Dioxin belastet.

 

Verlagerung der Meyer-Werft abgelehnt
Ausgerechnet die Umweltschützer, die sich seit Jahrzehnten erfolglos für die Verlagerung der Meyer-Werft an die Nordsee einsetzen, sind mit einem ungewöhnlichen Vorschlag vorgeprescht: Ein Kanal "zwischen Papenburg und Leer ist nach Auffassung der Verbände World Wildlife Fund (WWF) und Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) "die zweitbeste Lösung, um die Ems zu retten". Fast noch ungewöhnlicher ist, dass die Politik die kostspielige Idee gutheißt: "Am Ende des Tages steht für mich eine renaturierte Ems", sagt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.  CDU-Bundesvize ist die neue Wasserstraße parallel zur Ems keine Utopie. Wulff hat inzwischen eine Machbarkeitsstudie angeregt, im Februar wird eine Lenkungsgruppe zum Kanalbau in der Staatskanzlei in Hannover tagen. Die Kosten seien mit 500 Mio. Euro viel zu gering veranschlagt, sagen die Grünen. Und warnen vor weiteren schlimmen Eingriffen in die Natur durch eine insgesamt 100 Meter breite Wasserstraße. Der Bau des Kanals würde sich wohl bis mindestens Ende des neuen Jahrzehnts hinziehen - dann wäre die Ems längst klinisch tot, mahnen wiederum lokale Umweltaktivisten wie die Initiative "Rettet die Ems".

Der wohl logischte Vorschlag - nämlich dass die Schiffbauer von Papenburg ans Meer umziehen - kommt für die Emsländer nicht in Frage: 2500 Jobs hängen an der Meyer-Werft, sie ist damit der größte Arbeitgeber der Region. 'Papenburg liegt genauso weit von der Nordsee entfernt wie Hamburg", sagt Landrat Hermann Bröring (CDU). Und: "Niemand würde auf die Idee kommen, den Hamburger Hafen zu verlegen." Er will sogar einen gut 30 Kilometer langen Kanal, der Richtung Süden Anschluss an den Küstenkanal hat, bauen. Erst dann, so Bröring, mache "die Sache Sinn".

Auch die Werft will wegen der dort ansässigen Fachkräfte nicht aus Papenburg weichen. Ungeachtet eines allgemeinen Werftensterbens in Deutschland ist Meyer gut ausgelastet, indem sich die Werft auf den Bau von Spezialschiffen wie Kreuzfahrt- und Fährschiffe verlegte. In den Büchern stehen bis 2012 Aufträge für acht Schiffe, erst im Herbst wurde mit dem Bau eines neuen Kreuzfahrtschiffes der Superlative begonnen, der 340 Meter langen "Disney Dream".

Jedenfalls ist das Projekt eines Ems-Kanals nach Papenburg nicht neu: Bei allen Machbarkeitsstudien kann auf alte Unterlagen zurückgegriffen werden. Bereits 1938 wurde mit dem Bau eines "Adolf-Hitler-Kanals" im Emsland begonnen, er sollte den Dortmund-Ems-Kanal Richtung Nordsee entlasten. Reste der Bauarbeiten, die 1942 eingestellt wurden, sind bis heute sichtbar.