DER HERBST AM MEER
von Wolf Schneider
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Borkum - Der Wind wird stärker, täglich nimmt er zu. Udo, Segler auf der Nordseeinsel Borkum, kümmert es nicht. Er ist sowieso jeden Tag am Hafen, sorgt sich um die letzten Boote an den Stegen, plant die ersten Reparaturen und stopft gemütlich seine Pfeife. Es ist Herbst geworden. Schnell kommt er an der Nordsee. Die großen Cumuluswolken sind dunkler geworden, dunkler als im Sommer. Regenwolken eben. Die Fähren vom Festland kommen trotzdem an und ziehen langsam durch die Hafeneinfahrt an den Anleger. Der Insulaner Udo wundert sich schon lange nicht mehr, dass immer noch Gäste kommen. Im Sommer ist es ja für ihn normal, dass täglich Hunderte von Feriengästen aus ganz Deutschland aus den Schiffen strömen, dazu noch viele Tagesgäste von dem nur wenige Schiffskilometer entfernten holländischen Festland. Aber was wollen die Gäste jetzt noch hier?
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Petra Berger, Mittfünfzigerin aus Münster in Westfalen, weiß sofort, warum sie hier ist: „Die Luft ist es, die Borkum so einmalig macht.“ Seit Jahren schon kommt sie jeden Herbst für ein bis zwei Wochen auf die Insel. „Die jodhaltige Luft, der kräftige Wind, die angenehme Kühle des Frühherbstes sind für mich wie ein Jungbrunnen.“ Wie ihr geht es vielen Gästen. Es sind nicht mehr die Familien mit Schulkindern, die jetzt da sind. Die Mehrzahl der Gäste sind zu dieser Zeit vitale, unternehmungslustige und gesundheitsbewusste Menschen ab 50. Die unendlich scheinende Weite der Borkumer Strände lockt die Spaziergänger jeden Tag aufs Neue.. |
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| Da wo sich im Sommer Tausende von Badeurlaubern vergnügen, ist Stille eingekehrt. Selbst die Möwen stehen ruhig an der Wasserkante und sind nicht mehr hektisch auf der Suche, den Sommerurlaubern die Eistüte aus der Hand zu stehlen. Petra Berger sieht es den Herbstgästen auf Borkum an, warum sie hier sind. „So viele intensive Gespräche und so viele in ihren Gedanken versunkene Menschen treffe ich nur zu dieser Jahreszeit an“, erzählt sie. Sie liebt es, in den Cafés und Restaurants ihren Lieblingsplatz ohne Voranmeldung zu bekommen. Und endlich sind auch die begehrten Fensterplätze der Strandbars „Matrix“ und des „Panorama“ frei. Dort sitzt sie, trinkt Tee und schaut aufs Meer |
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Petra Berger, Mittfünfzigerin aus Münster in Westfalen, weiß sofort, warum sie hier ist: „Die Luft ist es, die Borkum so einmalig macht.“ Seit Jahren schon kommt sie jeden Herbst für ein bis zwei Wochen auf die Insel. „Die jodhaltige Luft, der kräftige Wind, die angenehme Kühle des Frühherbstes sind für mich wie ein Jungbrunnen.“ Wie ihr geht es vielen Gästen. Es sind nicht mehr die Familien mit Schulkindern, die jetzt da sind. Die Mehrzahl der Gäste sind zu dieser Zeit vitale, unternehmungslustige und gesundheitsbewusste Menschen ab 50. Die unendlich scheinende Weite der Borkumer Strände lockt die Spaziergänger jeden Tag aufs Neue. Da wo sich im Sommer Tausende von Badeurlaubern vergnügen, ist Stille eingekehrt. Selbst die Möwen stehen ruhig an der Wasserkante und sind nicht mehr hektisch auf der Suche, den Sommerurlaubern die Eistüte aus der Hand zu stehlen. |
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| Petra Berger sieht es den Herbstgästen auf Borkum an, warum sie hier sind. „So viele intensive Gespräche und so viele in ihren Gedanken versunkene Menschen treffe ich nur zu dieser Jahreszeit an“, erzählt sie. Sie liebt es, in den Cafés und Restaurants ihren Lieblingsplatz ohne Voranmeldung zu bekommen. Und endlich sind auch die begehrten Fensterplätze der Strandbars „Matrix“ und des „Panorama“ frei. Dort sitzt sie, trinkt Tee und schaut aufs Meer. |
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Es ist so unglaublich schön hier zu dieser Zeit, dass sie es gar nicht versteht, warum Menschen von einer grauen Jahreszeit sprechen können. Denn die Insulaner sind gerade jetzt besonders gastfreundlich. Im Sommer veranstalten sie Feste und Konzerte für ihre Gäste, achten an den Badestränden auf sie und zeigen ihnen die Schönheiten von Flora und Fauna auf der Insel. Aber sie haben in der Hauptsaison auch wenig Zeit. Das ist jetzt anders. Die langen Schlangen im Laden von Bäckermeister Müller sind weg und die Verkäuferinnen haben Zeit für einen kleinen Plausch. Die Kellner in den Restaurants genießen es sichtbar, mit den Gästen ohne Zeitdruck zu sprechen und die Besonderheiten ihrer Küche zu empfehlen. Und die Wellnessdecks und die Saunen des Meerwasserbades Gezeitenland sind angenehm leer. |
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| Der Herbstwind nimmt zu. Nordwest 8 bis 9 Beaufort hat die Wettervorhersage am Abend vorher prognostiziert. Und die Meteorologen haben sich nicht geirrt. Die Wellenberge werden größer. Die Brandung läuft hoch auf und mit der Flut stürzen die Wassermassen im Takt der Wellen auf die Kurpromenade. Herbststürme sind ein herrliches Schauspiel und locken Insulaner und Gäste immer wieder an die Strandpromenade. Von überall her kommen sie, dieses Naturschauspiel zu erleben. Denn die Nordsee ist besonders im Herbst eine launische Diva. |
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Manchmal ist sie friedlich, kinderlieb und flach wie ein Badesee im Binnenland. Und schon am nächsten Tag ist sie wild und ungestüm, brandet schnaufend auf den Strand und tobt furchterregend. Dabei ist das Wetter auf Borkum viel besser als sein Ruf. Den für das Festland typischen, tagelang andauernden Landregen, den gibt es hier nicht. Nicht selten scheint die Sonne über acht Stunden am Tag. Borkum gehört zu den sonnenreichsten Gebieten Deutschlands und liegt an der Spitze Niedersachsens. Die Luft riecht nach Meer und schmeckt nach Salz. Tapfere kleine Wäldchen haben sich im Naturschutzgebiet Greune Stee gebildet, oft sturmzerzaust und vom Westwind gerichtet. Unendliche Wiesen, grüne Deiche mit weidenden Schafen beruhigen das Auge. Und Borkum hat eine ganz große Besonderheit, die es in dieser Form nur an der Nordsee gibt – die Wunderwelt des Watts. |
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| Geschützt als Naturpark und doch unter fachkundiger Leitung von Wattführern der Insel offen für die Besucher, für kleine und große Entdecker einer einzigartigen Landschaft voller rauer Herzlichkeit. Per Rad oder per pedes lässt sich die unglaubliche Vielfalt der Borkumer Natur erkunden. Über 1.500 unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten leben auf der Insel, in Lebensräumen, die nicht unterschiedlicher sein können und doch direkt aneinandergrenzen: Strand und Watt, Dünen und Salzwiesen, Weiden und Wäldchen. Über diese unglaubliche Vielfalt der Flora und Fauna hinaus bietet Borkum große kulturelle Attraktionen: den Alten Leuchtturm und den Neuen Leuchtturm, das Heimatmuseum Dykhus und den Hafen, das Feuerschiff „Borkumriff“ und den Seenotrettungskreuzer „Alfried Krupp“. |
| Die Luft riecht nach Meer und schmeckt nach Salz. Tapfere kleine Wäldchen haben sich im Naturschutzgebiet Greune Stee gebildet, oft sturmzerzaust und vom Westwind gerichtet. Unendliche Wiesen, grüne Deiche mit weidenden Schafen beruhigen das Auge. Und Borkum hat eine ganz große Besonderheit, die es in dieser Form nur an der Nordsee gibt – die Wunderwelt des Watts. Geschützt als Naturpark und doch unter fachkundiger Leitung von Wattführern der Insel offen für die Besucher, für kleine und große Entdecker einer einzigartigen Landschaft voller rauer Herzlichkeit. Insulaner Udo Kaja stopft sich wieder seine Pfeife. Zum fünften Male an diesem Tag. Er weiß, dass es hier auch im Herbst schön ist auf seiner Heimatinsel in der Nordsee. Und Petra Berger, Herbsturlauberin aus Münster, atmet tief die gute Nordseeluft ein. Und auch sie weiß genau, wie schön es hier ist. Im Herbst auf der Nordseeinsel Borkum. |
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